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30.11.2017

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Entstehungsgeschichte der Anne-Frank-Realschule Ahaus

Wenn eine Schule 25 Jahre alt wird, schaut man gewöhnlich zurück, um sich des Geleisteten zu vergewissern, den Standort zu bestimmen und neue Ziele für die Zukunft zu definieren. Dass man über den Beginn hinaus auf die Ursprünge zurückschaut, ist eher selten und wohl auch mehr von historischem Interesse. Wenn hier nun der Versuch unternommen wird, die Vorgeschichte der Anne-Frank-Realschule nachzuzeichnen, dann dient das sicher auch dem letzteren, nämlich dem Festhalten geschichtlichen Geschehens, bevor es in Vergessenheit gerät und bevor auch die letzten Zeitzeugen verstorben sind, die die schriftlichen Quellen, die wir in den Archiven finden, erläutern und darüber hinaus Auskunft geben können. Das Urteil dieser Zeitzeugen aufzurufen und auch ihren klärenden Widerspruch zu wecken, ist die zweite Absicht dieser Abhandlung. Eine dritte mag man darin erkennen, dass der Autor und mit ihm die Schule all denen Dank abstatten möchten, die, wo immer sie gewirkt haben, zum Entstehen dieser Schule einen Beitrag geleistet haben.

 

Woher kommt der Anstoß?

 

Eine Denkschrift des Kultusministers Mikat

 

Nachdem in der Bundesrepublik Deutschland und ihren westlichen Ländern Mitte der fünfziger Jahre der innere Wiederaufbau einen ersten Abschluss gefunden und die Bundesreplik durch den Beitritt zur EWG und zur Nato außenpolitisch wieder Anschluss an ihre Nachbarn gefunden hat, mehren sich die Versuche, auch das Bildungswesen mit anderen Ländern zu vergleichen und Anstöße zu gewinnen, um es im Sinne der „Konkurrenzfähigkeit“ zu verbessern. Großes Aufsehen erregt damals eine Schrift von Picht mit dem Titel, in der darauf hingewiesen wird, dass die Bundesrepublik bei der Berufsausbildung zwar Vorbildliches vorzuweisen habe, bei den mittleren und höheren Abschlüssen im allgemeinbildenden Schulwesen zahlenmäßig jedoch weit hinter den westlichen Nachbarn zurückbleibe. In diesem Zusammenhang steht sicher auch eine Denkschrift des damaligen Kultusministers von Nordrhein-Westfalen Professor Mikat. Er fordert den Ausbau des Schulwesens im Lande, gründet die „Mittelpunktschulen“, die an die Stellen der Zwergschulen treten, und gibt auch den Anstoß für die Gründung neuer Gymnasien und Realschulen, auch für den damaligen Landkreis Ahaus.

 

Kreisausschuss des Landkreises Ahaus: Direktorstellvertreter Kühle aus Stadtlohn

 

Auch in diesem Kreis ist die Schullandschaft in Bewegung gekommen. Allenthalben werden die Progymnasien zu Vollgymnasien, deren Schülerzahl immer stärker anwächst, die Zwergschulen werden zusammengelegt bzw. zugunsten größerer Systeme geschlossen. Es entstehen Grundschulen, die nur noch die Kinder der ersten vier Schuljahrgänge unterrichten, die neuen Hauptschulen nehmen die Kinder vom fünften bis achten Schuljahr auf.

 

Zwei öffentliche Realschulen gibt es zu dieser Zeit im Kreis: im Norden die Städtische Realschule in Gronau und im Süden die Städtische Realschule in Stadtlohn. Während die Gronauer Schule von Mädchen und Jungen besucht wird, hat die Realschule der Stadt Stadtlohn nur männliche Schüler. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich von Oeding bis Heek und deckt damit den Süden und die geografische Mitte des Landkreises ab. Die Mädchen aus diesem Gebiet und darüber hinaus werden an einer dritten, einer privaten Realschule in Stadtlohn unterrichtet, die sich in der Trägerschaft der Schwestern der Göttlichen Vorsehung befindet. 200 Jungen besuchen die Städtische Realschule, 150 Mädchen die private. Die Realschule in Gronau unterrichtet Kinder aus Gronau, Epe, Alstätte, Graes und Nienborg und deckt damit den einwohnerstarken Nordteil ab. Folgerichtig ist sie mit 235 Mädchen und 239 Jungen, also insgesamt 474 Schülerinnen und Schülern, für damalige Verhältnisse sehr groß, so dass man sich schon bald darüber Gedanken macht, eine zweite Realschule – möglichst in Epe – zu gründen.

 

Zu dieser Zeit sorgt sich der stellvertretende Direktor der Städtischen Realschule in Stadtlohn um die langen beschwerlichen, oft mit dem Fahrrad zurückgelegten Schulwege der Schüler aus der Kreismitte, die damals die Realschulen in Stadtlohn besuchen. In einer Elternversammlung rechnet er vor, dass ein Schüler aus Heek oder Nienborg während seiner sechsjährigen Schulzeit eine Wegstrecke zurücklegen müsse, die das Anderthalbfache des Erdumfangs betrage. Diese Sorge und wohl auch die Gefahr der Festschreibung dieses Zustandes, wenn erst in Epe eine weitere Realschule gegründet sei, wird ihn wohl schon bewogen haben, als er zwei Jahre zuvor, nämlich am 14. September 1961, im Kreisausschuss des Landkreises einen Realschulzug am Ahauser Alexander-Hegius-Gymnasium anregte.

 

Mit diesem Gedanken hat er sich, gemeinsam mit dem FDP-Stadtratsmitglied Krönfeld, auch schon in einem persönlichen Gespräch an den Stadtdirektor von Ahaus, Herrn Petersen, gewandt, der in einer Aktennotiz am 22. März 1962 Folgendes festhält:

“Heute haben Herr Krönfeld und der stellvertretende Direktor der Realschule für Jungen in Stadtlohn, Herr Kühle, hier vorgesprochen.

Herr Kühle erklärte, dass nach seinen Informationen beabsichtigt sei, in Epe eine öffentliche Realschule zu errichten. (Von der Errichtung einer privaten soll man inzwischen abgekommen sein).

Herr Kühle bat mich, doch einmal die Frage der Errichtung einer Realschule in Ahaus zu prüfen. Zur Zeit würden etwa 40 Jungen aus Ahaus und Umgebung die Realschule in Stadtlohn besuchen. Der Andrang zur Realschule in Stadtlohn sei so stark, dass in den nächsten Jahren mit Sicherheit jedes Jahr 2 Sexten eingerichtet werden müssten. Herr Kühle hält es auf die Dauer nicht für zumutbar, dass die Kinder aus dem Raume Ahaus und Umgebung 6 Jahre lang die Belastungen eines Fahrschülers auf sich nehmen sollen.

Wenn schon eine neue Realschule im Kreise Ahaus errichtet werden soll, dann dürfte sie nach seiner Meinung keinesfalls in Epe errichtet werden, weil 4 km weiter, Gronau, eine Realschule unterhält. Nach seiner Meinung kann eine weitere Realschule im Landkreis Ahaus nur in der Stadt Ahaus errichtet werden...“

 

Dem o.g. Zeitungsbericht zufolge gibt Kühle der Elternschaft in Stadtlohn dann auch den Hinweis „zu überlegen, ob nicht durch eine günstige Neugründung einer Realschule (Gemeint ist wohl Ahaus. Der Verfasser.) solche weiten Schulwege zu vermeiden seien“. Damit stößt er bei den anwesenden Stadtlohner Eltern und dem Vertreter der Stadt auf Widerstand, weil man eine zu starke Minderung der Schülerzahlen in Stadtlohn befürchtet. Solche Widerstände halten Kühle allerdings nicht davon ab, sich als Mitglied des Kreistages und des Kreisausschusses auch weiterhin für eine Realschule in Ahaus einzusetzen.

 

Stadt Ahaus: Stadtdirektor Petersen

 

Stadtdirektor Petersen äußert gegenüber diesen Vorstellungen Bedenken, hält sie jedoch für so wichtig, dass er „in Anlehnung an die Denkschrift zur Förderung der Realschulen in NRW“ das Bedürfnis für eine Realschule durch die Verwaltung prüfen lässt und den Ausschuss für das höhere Schulwesen in der Sitzung am 08.06.1962 davon und von dem Gespräch mit den Herren Krönfeld und Kühle unterrichtet. Das Protokoll der Sitzung enthält die bemerkenswerten Sätze: „Diese Unterrichtung dürfte von dem Gedanken ausgegangen sein, dass, falls im Kreise Ahaus eine weitere Realschule eingerichtet werden sollte, die Stadt Ahaus in vielfacher Hinsicht hierfür die besseren Voraussetzungen biete. Der Ausschuss ... nimmt diese Unterrichtung dankbar zur Kenntnis, verzichtet jedoch auf eine Stellungnahme hierzu, weil konkrete Unterlagen noch fehlen.“

 

In der folgenden Zeit scheinen Sorgen um die Entwicklung des Alexander-Hegius-Gymnasiums mehr Raum eingenommen zu haben als das Bemühen um eine Realschule in Ahaus. Es tauchen Ideen auf, eine Realschule durch einen englischen Orden bzw. durch das Canisiusstift Ahaus betreiben zu lassen, die aber ernsthaft erst gar nicht geprüft werden bzw. sich schnell als unrealistisch erweisen.

 

Konkret wird das Vorhaben erst wieder mit der Anweisung des Stadtdirektors Petersen an den Stadtamtmann Hoppe die Errichtung einer Realschule betreffend vom 09.09.1963:

„Unter Bezugnahme auf die heutige Besprechung in der Verwaltungskonferenz bitte ich eine Vorlage für die Errichtung einer Realschule auszuarbeiten. Dabei kommt es darauf an, dass wir das Bedürfnis für die Errichtung dieser Schule nachweisen.“  Er ordnet an, die Zahl der Jungen und Mädchen aus Ahaus und Umgebung zu erfassen, die die Realschulen in Gronau und Stadtlohn sowie den „Realschulzug“ im Canisiusstift besuchen, und lässt durch eine Umfrage bei den Leitern der Volksschulen ermitteln, wie viele Kinder die Realschule besuchen würden, wenn eine in Ahaus wäre.

 

Die ermittelten Zahlen legt Petersen dem Ausschuss für das höhere Schulwesen in seiner Sitzung am 03.12.1963 vor. Der vertritt allerdings die Auffassung, „dass dem Grundsatze nach gegen die Errichtung einer Realschule in Ahaus keine Bedenken zu erheben seien“, und stellt abwartend fest: „Ob und wann hierzu die Notwendigkeit gegeben sein wird, müsse noch eingehend untersucht werden.“ Man will wohl auch Interessenkollisionen mit dem Canisiusstift, den Realschulen in Stadtlohn und Gronau und den Gründungsplänen in Epe vermeiden und auch die Ausbaumaßnahmen am Alexander-Hegius-Gymnasium nicht gefährden.

 

Obwohl Petersen im Januar Rückendeckung durch den Oberkreisdirektor erhält, der sich in einem Gespräch deutlich für eine Realschule in Ahaus ausspricht, und durch den Ahauser Bürgermeister Berding erfährt, „dass nach den Planungen des Kultusministers ... Ahaus eine Realschule erhalten“ soll, lässt Petersen die Angelegenheit ruhen, bis sich im Sommer in Stadtlohn konkrete Pläne für den Neubau einer zweizügigen Realschule abzeichnen. Jetzt hält er „es für notwendig, dass, wenn die Stadt Ahaus die Absicht hat, eine Realschule zu errichten, jetzt der geeignete Zeitpunkt sei, um die Stadt Stadtlohn und auch die Bezirksregierung ... hiervon zu unterrichten, damit dort keine Fehlinvestitionen vorgenommen werden.“ Das erscheint umso notwendiger, zumal die Realschule in Epe bereits im Aufbau ist. Der Ausschuss folgt dem Stadtdirektor und „vertritt die Ansicht, dass Ahaus als geografischer Mittelpunkt des Kreises und zentraler Ort im Interesse der Schulung der Schüler aus Ahaus und Umgebung eine eigene Realschule haben sollte“. Am 28.07.1964 schließt sich der Stadtrat dieser Auffassung an und „beschließt einstimmig, dass in Ahaus schon bald mit der Errichtung eines Realschulsystems begonnen wird, und beauftragt die Verwaltung, in Durchführung dieses Beschlusses, die notwendigen Maßnahmen zu treffen“.

 

Sogleich werden auch Überlegungen angestellt, wie und wo das Projekt realisiert werden könnte. Ratsherr Schütte mag wohl an einen Neubau denken, wenn er das Baugebiet Krefter als künftigen Standort sieht. Diesen Optimismus teilen sicher nicht alle. Trotz der Einstimmigkeit beim Beschluss gibt es auch Bedenken, ob die Neugründung auch dann notwendig sei, wenn den neuen Hauptschulen ein neuntes oder gar zehntes Schuljahr angegliedert werde. Diese Bedenken wurden jedoch von Bürgermeister Berding zerstreut, der zukunftsweisend darlegt: „Das Realschulsystem erhält in der gesamten Neuordnung des Schulwesens eine sehr bedeutende Stellung.“

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