Am Standort der ehemaligen Synagoge in der Marktstraße erinnerten die Leiterin des VHS-Arbeitskreises "Ahauser Geschichte 1933-45", Ingeborg Höting, und der Bürgermeister der Stadt Ahaus, Felix Büter, an die Geschehnisse jener Nacht. Anschließend lasen Sophia Kisfeld und Eva-Maria Pothmann (Klasse 10e, Anne-Frank-Realschule) Stellen aus den "Briefen an Thea" vor, einer Dokumentation über die jüdischen Familien Schlösser aus Ahaus. Sie hatten die Brandschatzung der Ahauser Synagoge sowie die Demütigung und Misshandlung der Schlössers und anderer Juden aus Ahaus während des Pogroms zum Inhalt. Der Brief endete mit den Worten: "Die Reste Eurer zerstörten Synagoge, Thea, hat man in Ahaus zum Straßenbau verwendet."
Am Mahnmal für die ermordeten Ahauser Juden auf dem Sümmermann-Platz trugen Schülerinnen der Vestert-Realschule Ahaus die Schicksale einzelner Familien nach der Pogromnacht vor, legten Bilder und Kerzen nieder und mahnten: "An diese Menschen zu erinnern ist unsere Pflicht - jetzt und in Zukunft!" Manfred Laumann, Mitglied des VHS-Arbeitskreises, las Auszüge aus einer Predigt des evangelischen Theologen Gollwitzer vom 16.11.1938 vor, der alle Christen "mitverhaftet in die große Schuld" sah, so "dass wir schamrot werden müssen, wie biedere Menschen sich auf einmal in grausame Bestien verwandeln".
Wer sich die im Anschluss daran stattfindende Veranstaltung im Fürstensaal des Schlosses mit der Sängerin Lucette van den Berg, die bewegende Lieder über Leid, Liebe und Träume in jiddischer Sprache sang, entgehen ließ, hatte viel verpasst. Die sympathische Sängerin, die das Publikum mit ihrer Stimme sofort in ihren Bann zog, hatte schon zu Beginn des Gedenkgangs das jüdische Abschiedslied "Zait gesunt" gesungen, das sie auch zum Schluss des Konzerts wiederholte. Viele Besucher baten sie nach dem Konzert persönlich, sie möge bitte bald wieder nach Ahaus kommen.
Die von Ingeborg Höting und Schülerinnen unserer Schule in den letzten Jahren erstellten Dokumentationen zu einzelnen jüdischen Familien in Ahaus (Adolph de Jong/Coesfelder Straße, Alfred Löwenstein/van-Delden-Straße, Josef Frankenhaus/Königstraße, Julia Gumpert/Bahnhofstraße, Felix Schlösser/Hochstraße und Rudolf Schlösser/Querstraße) fanden vor und nach der Veranstaltung reißenden Absatz.
Hermann Löhring
Foto: Münsterlandzeitung