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10.02.2012
SV-Fete im LOGO
10.02.2012
Erneute Stolperstein-Patenschaft der Anne-Frank-Realschule
Am 22. April 2006 wurden an der Bahnhofstraße 67 erneut fünf Stolpersteine für die in Auschwitz ermordete jüdische Familie Gumpert-Katz gelegt; drei weitere Steine wurden ebenfalls in der Bahnhofstraße (für Bertha und Erich Gottschalk) sowie in der Königstraße (für Joseph Frankenhaus) verlegt.
Der Kölner Künstler Gunter Demnig hatte bereits im Sommer 2005 an zwei anderen Wohnstätten von Ahauser Juden insgesamt acht solcher Gedenksteine ins Straßen- oder Bürgersteigpflaster eingelassen. In den 10 x 10 cm großen Steinen mit Messingoberfläche sind die Namen und Lebensdaten der betroffenen Holocaust-Opfer eingraviert.
Motor des Stolperstein-Projekts in Ahaus ist der VHS-Arbeitskreis „Ahauser Geschichte 1933-45“, der seit Jahren mit der Stadt Ahaus und vor allem mit der Anne-Frank-Realschule zur Realisierung von Stolperstein-Patenschaften zusammenarbeitet.
Schon im letzten Jahr hatten fünf Schülerinnen unserer Schule vor der Stolpersteinlegung an der Coesfelder Straße im Juli 2005 eine 60-seitige Dokumentation in Form eines fiktiven Briefs an die mit 16 Jahren in Auschwitz ermordete Ahauser Jüdin Henny de Jong erstellt und wurden danach mehrfach zu Lesungen (u.a. auch in der Villa ten Hompel in Münster) eingeladen.
Auch in diesem Schuljahr waren acht Schülerinnen aus der Klasse 8e (Nicole Büscherfeld, Alisa Früchting, Laura Helmich, Kristin Münstermann, Lea Münstermann, Eva Schaten, Nadine Schubert, Theresa Söbbing) zusammen mit ihrem Klassen- und Geschichtslehrer auf den Spuren einer jüdischen Familie, der Familie Gumpert-Katz.
Julia Gumpert, die auf der Bahnhofstraße 67 in Ahaus ein kleines Handarbeits- und Kurzwarengeschäft betrieb, musste mit ihrer Tochter Regina Gumpert-Katz, deren Mann Ernst Katz und ihren Enkelkindern Alfred und Juliane Katz nach der Pogromnacht im November 1938 Hals über Kopf nach Holland fliehen. Nach dem Einmarsch der Deutschen wurde die gesamte Familie 1942/43 über das Durchgangslager Westerbork nach Auschwitz deportiert und dort in den Gaskammern ermordet. Die acht Schülerinnen und ihr Lehrer spürten in einer Tagebuch-Recherche von August 2005 bis März 2006 dem Schicksal dieser Familie nach, machten Zeitzeugen-Interviews, suchten die Stätten früheren jüdischen Lebens in Ahaus auf, recherchierten in alten Lokalzeitungen, im Stadtarchiv Ahaus, im Staatsarchiv Münster, im Internet (Gedenkstätten Yad Vashem, Westerbork und Auschwitz) usw., lasen Bücher, fanden Fotos, Reisepassanträge sowie Hausrat- und Inventarlisten der Familie, zeichneten Stammbäume der verschiedenen Familien Gumpert in Ahaus und stellten sich in einer Gedankenskizze vor, wie es wäre, wenn Alfred und Juliane Katz die NS-Zeit überlebt hätten: „....vielleicht hätten wir eine 14- oder 15-jährige Freundin mit Namen Ruth oder Miriam Katz – und es wäre das Normalste auf der Welt, im Keller von Opa Alfred Katz ihren Geburtstag zu feiern. Ja, was wäre wenn...“
Am Tage der Stolpersteinlegung lasen die Schülerinnen Teile aus ihrem Tagebuch vor, legten Bilder der Familie Gumpert-Katz, Teelichter und ein Vergissmeinnicht neben die Stolpersteine, um den fünf in Auschwitz Ermordeten zu gedenken.
Die fünf Stolpersteine für die Familie Gumpert-Katz auf der Bahnhofstraße haben 474,- Euro gekostet. Während im letzten Jahr vor allem die Lehrerschaft die Kosten übernommen hatte, ist es dieses Mal der Elternschaft und einzelnen Klassen zu danken, dass die Kosten für die Gumpert-Katz-Steine auf der Bahnhofstraße erneut vollständig von der Anne-Frank-Realschule übernommen werden können. Für bisher 10 von 16 in Ahaus gelegten Stolpersteinen hat unsere Schule damit die Patenschaft übernommen.
Wer das „Tagebuch einer Recherche zur Familie Gumpert-Katz“ zugeschickt haben möchte, möge vorher eine kleine Spende auf das Stolperstein-Konto der Anne-Frank-Realschule einzahlen und seine Anschrift bei der Überweisung mit angeben: Konto 3605992802 bei der Volksbank Gronau-Ahaus (BLZ 40164024). Jede Spende ist für uns Auftrag, das Schicksal weiterer jüdischer Familien aus Ahaus zu erforschen. Die Arbeit geht mit Elan weiter – getreu dem, was schon 2005 im (fiktiven) Brief an Henny de Jong formuliert wurde:
„Den Nazis ging es nicht nur darum, Euch zu töten, sie wollten Euch vor dem Tod noch demütigen. Und sie wollten nach Eurem Tod, dass von Euch nichts mehr bleibt als ein Häufchen Asche, das in die sumpfige Umgebung von Auschwitz gestreut wurde. Sie wollten jegliche Erinnerung an Euch auslöschen. Wenn wir uns heute nicht an Euch erinnern, dann ist das den Nazis gelungen. Henny, dass Du mit Deiner Familie in Ahaus mal heimisch warst und was du in deiner Kindheit und Jugend denn mehr Leben hattest Du leider nicht) erlitten hast, daran werden und müssen wir uns in Ahaus erinnern! Wenn wir heute in Ahaus Eure Namen nicht nennen und uns kein Bild mehr von Euch machen und machen wollen, dann haben es die Nazis geschafft: Dann gibt es Euch nicht mehr. Wir wollen das verhindern.“
Kontakt: Hermann Löhring, Vor Pastors Busch 15, 48683 Ahaus-Wüllen
