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„Julchen, für uns lebst Du immer noch“

„Briefe an Julchen“ – so heißt die neueste Dokumentation der Stolperstein-AG der Anne-Frank-Realschule in Ahaus. Es geht in den fiktiven Briefen um die Annäherung an die jüdische Familie Bendix-Jakobs, die bis 1930 in der Coesfelder Straße an der Ecke zur Tückingstraße wohnte.


Auf über 50 Text- und fast ebenso vielen Bild- und Stammbaum-Seiten wird das Leben von Julchen Jakobs, geb. Weinberg, ihrem Mann Simon und den drei Kindern Joseph, Max und Beate in Ahaus und (ab 1930) in Cloppenburg erzählt: von Julchens Adoption durch Moses und Bertha Bendix in Ahaus, von ihrer Schulzeit am Canisiusstift, von ihrer Heirat und der Geburt ihres ältesten Sohnes in Ahaus, vom Umzug nach Cloppenburg, den Verwüstungen und Schlägen in der Pogromnacht 1938, vom Leben im „Ghettohaus“ in Anröchte, von der Unterbringung ihrer Kinder im Jüdischen Waisenhaus in Paderborn, von der Deportation der gesamten Familie Jakobs im April 1942 über Dortmund ins KZ Zamosc, möglicherweise auch ins Vernichtungslager Belzec (im heutigen Polen), wo sie alle ermordet wurden.

Die „Briefe an Julchen“ befassen sich auch mit der seit dem 18. Jahrhundert in Ahaus nachweisbaren jüdischen Familie Bendix. Die Eltern von Moses Bendix haben z.B. Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Ahaus. Der Familie Bendix gehörte seit dem 19. Jahrhundert viel Weideland im Gebiet der früheren Hofmate. Nach dem Verkauf der „Bendix-Weiden“ an die Stadt Ahaus in den 1930er Jahren durch Julchen Jakobs errichtete die Stadt hier eine Schrebergarten-Siedlung, die erst nach 1945 durch vermehrten Wohnsiedlungsbau aufgelöst wurde. Julchens Adoptiveltern Moses und Bertha Bendix starben in Cloppenburg – die Stolperstein-AG machte die Grabsteine auf dem dortigen jüdischen Friedhof ausfindig.

Die Schülerinnen Silke Borowski, Anja Farwick, Jana Gesing, Laura Kühlkamp, Nina Wiemann, Anna Witte (aus den Klassen 10a und 10b) und ihr betreuender Lehrer Hermann Löhring haben mit dieser Dokumentation bereits die zehnte Erarbeitung zu jüdischen Familien in Ahaus, Legden und Heek-Nienborg geschaffen, die alle seit dem Jahre 2005 in Brief-, Tagebuch- oder Interviewform erschienen sind. Hintergrund aller bisherigen Veröffentlichungen waren Stolperstein-Verlegungen in Ahaus. Für Julchen Jakobs und ihren Sohn Joseph werden am 27. Juni 2010 die nächsten Stolpersteine durch den Künstler Gunter Demnig verlegt. Die neueste Dokumentation der Anne-Frank-Realschule endet mit den Worten: „Julchen, für uns lebst du immer noch.“



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