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9 Jahre "Stolperstein-AG" der AFR

Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist!“ 

 Spurensuche nach früheren jüdischen Familien in Ahaus

Seit 2004 – also seit neun Jahren – existierte an unserer Schule eine „Stolperstein-AG“. Diese konstituierte sich zu Beginn eines jeden Schuljahrs neu aus Freiwilligen meist des 9. und/oder 10. Schuljahres. Es handelte sich also um keine Wahlpflicht-AG. Die zu über 90 % aus Mädchen bestehenden AG’s trafen sich an einem Wochentag meist in der 7./8.Stunde (ab 13 Uhr). Anlass der Bildung solcher „Stolperstein-AG’s“ waren die langjährige Zusammenarbeit mit dem VHS-Arbeitskreis „Ahauser Geschichte 1933-1945“ (unter Leitung von Ingeborg Höting) sowie der Beschluss des Stadtrats, in Ahaus Stolpersteine für ermordete jüdische Bürger durch den Künstler Gunter Demnig legen zu lassen.

Da die Stolpersteinverlegungen Jahr für Jahr stattfanden, hatten die „Stolperstein-AG’s“ meist ein Schuljahr lang Zeit, um rechtzeitig zu den Verlegungen Dokumentationen zu einzelnen jüdischen Familien zu erstellen. So entstanden seit 2004 zwölf Arbeiten - meist in Spiralbindung (immer mit vielen Fotos und Stammtafeln) zu den Ahauser Familien de Jong (2x), Cohen (2x), Gumpert (2x), Schlösser (1x), Gottschalk (1x), Winkler (1x) und Bendix-Jakobs (1x). SchülerInnen aus Heek bzw. Nienborg und aus Legden schrieben zusätzlich Dokumentationen zur jüdischen Familie Gottschalk aus Heek-Nienborg sowie zu den Familien Seligmann und Rosenbaum in Legden – letztere Erarbeitung erschien sogar als gebundenes Buch (in Zusammenarbeit und herausgegeben vom Heimatverein Legden).

(Näheres auf der Seite „Dokumentationen bisher“)

Die Arbeit unserer AFR-Stolpersteingruppen im Einzelnen:

  • Es wurden die früheren Wohnsitze der Juden in Ahaus gesucht und besucht.
  • Bei der Stadtarchivarin Frau Dr. Karras holten die Schüler zu den einzelnen jüdischen Personen Fotos, Texte u.a. Material ab.
  • Da wir auch Bilder und Inschriften zu den Grabsteinen der jüdischen Vorfahren erhielten, konnten wir vollständige Stammbäume der Familien zeichnen und die Grabmäler auf dem jüdischen Friedhof in Ahaus aufsuchen und zuordnen. Mittlerweile gibt es ein Buch über den Ahauser Friedhof, das uns viele Informationen bietet.
  • Aus Gesprächen mit Zeitzeugen oder von Erinnerungs-Schriften von Augenzeugen entstanden Texte und Bilder zu den einzelnen jüdischen Familien, zum NS-Alltag und zur Pogromnacht in Ahaus, aber auch zu Deportationen der Ahauser Juden nach Auschwitz, Sobibor, Riga und Stutthof.
  • Durch Recherchen im Internet erfuhren wir manches Neue über die Herkunft und das Schicksal jüdischer Personen aus Ahaus, auch z.B. über Aufenthaltsorte Überlebender nach dem Krieg.
  • Durch weitere Zeitzeugengespräche und -berichte konnte vieles von dem, was wir an reinen Fakten auf dem Tisch hatten, bestätigt oder ergänzt, vor allem aber veranschaulicht und lebendig gemacht werden.
  • Zusammen haben wir ausgewertet, was im Staatsarchiv Münster in Finanzamtsakten und „Wiedergutmachungsakten“ über Haus- und Grundstücksverkäufe, Auswanderungsbemühungen sowie  Rückerstattungs- bzw. Entschädigungsvorgänge zu erfahren war.
  • Zwischendurch haben wir auch noch die bisherigen Stolpersteine und das Mahnmal für die ermordeten Juden gereinigt, Anträge z.B. zur Beleuchtung dieses Mahnmals am Sümmermannplatz gestellt (2009 wurden dort Leuchten aufgestellt) und bei fast jedem Pogromgedenken der letzten Jahre am 9. November oder beim Deportationsgedenken am 10. Dezember Texte vorbereitet und vorgetragen.        
  • Auch in die Villa ten Hompel in Münster wurden wir mehrfach eingeladen, um aus unseren Dokumentationen vor geladenem Publikum vorzulesen oder diese im Interview zu erläutern.

 Alle bisherigen 12 Dokumentationen (bis auf eine) sind in Form von Briefen, Recherche-Tagebüchern („Tagebücher einer Annäherung“) oder fiktiven Interviews erstellt worden. Auf diese Weise kamen wir beim Schreiben fast automatisch den Personen und ihren Schicksalen sehr nahe. Man kann sagen: Wir schrieben konsequent aus der Opferperspektive. Und wenn die eine oder andere Schülerin (bzw. der ein oder andere Schüler) in der Beschäftigung mit einer jüdischen Person sich sehr stark mit ihr identifizierte, so mag mancher rein sachlich-wissenschaftlich orientierte Historiker die Nase rümpfen. Wir konnten und können seit Jahren nicht anders. Oder wie sagte eine Frau in einer WDR-Sendung über den Künstler Gunter Demnig und seine Stolpersteine: „Je mehr man sich mit einer jüdischen Person oder Familie befasst, umso mehr meint man, man hätte sie noch persönlich gekannt.“ Ich glaube, das ist es u.a., was Gunter Demnig hofft, zumindest hier und da mit seinen Stolpersteinen erreichen zu können.

 Leider ist es in uns nur selten gelungen, dass Überlebende und Nachfahren jüdischer Familien aus Ahaus der Stolpersteinlegung beiwohnen konnten. Aber mehrfach haben manche von ihnen (Josef Gottschalk, Ilse Kassel, Arie Gur-Levie/Israel, Freddie Salomon/Niederlande, Joseph Elburg/Niederlande, Joan Oppenheim/Australien, Marcelo Cohen/Chile) in den letzten Jahren den Weg nach Ahaus gefunden und die Stolpersteine ihrer Verwandten, die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof, die Gedenktafel am Standort der ehemaligen Synagoge sowie das Mahnmal für die ermordeten Ahauser Juden besucht. Nach dem Besuch von Judith Shapir aus Israel ist sogar ein bis heute andauernder regelmäßiger Email-Kontakt einer Schülerin der „Stolperstein-AG“ zu deren Enkelin nach Tel Aviv (Michal Shapir) entstanden.

 Als langjähriger Betreuer der „Stolperstein-AG“ möchte ich einigen Leuten Danke sagen:

  • allen Zeitzeugen, die zu Hause am Kaffeetisch oder am Telefon uns bereitwillig in den letzten Jahren Rede und Antwort standen und zum Teil heute schon verstorben sind,
  • Frau Dr. Karras für die Bereitstellung vieler Materialien aus dem Stadtarchiv Ahaus, besonders für die mühevolle Kopiererei der letzten Dokumentationen, sowie vielen anderen hilfsbereiten Archivaren und Lokalhistorikern,
  • Hansjürgen Heinritz, Franz-Josef Hesse, Manfred Laumann, Gregor Müller und anderen Mitgliedern des VHS-Arbeitskreises „Ahauser Geschichte 1933-45“ für die seit Jahrzehnten währende  inhaltliche Vorarbeit, an die wir anknüpfen konnten,
  • besonders aber der hiesigen Historikerin und VHS-AK-Leiterin Ingeborg Höting, die der AFR-„Stolperstein-AG“ seit vielen Jahren mit Vorschlägen, Ratschlägen, eigenem Recherchematerial und stundenlangem Korrekturlesen zur Seite stand,
  • meinem Schulleiter Rudolf Homann und einzelnen KollegInnen, die uns vor allem in handwerklich-technischer Hinsicht immer wieder Hilfestellung gaben oder unsere Arbeit finanziell unterstützten,
  • nicht zuletzt aber meinen Schülerinnen und Schülern, die viele, viele Stunden ihrer Freizeit opferten, um im besten Sinne Erinnerungskultur für Ahaus zu schaffen.
  • Ganz besonders möchte ich aber Gunter Demnig danken, ohne dessen Stolperstein-Projekt und ohne dessen immer wieder spürbares Engagement wir wohl nicht den Antrieb für unsere Arbeit gefunden hätten, dessen Worte uns schon bei der ersten Stolpersteinlegung zum Motto geworden sind: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist!“ Deshalb die Stolpersteine! Deshalb die Dokumentationen!
Hermann Löhring -  im Mai 2013

http://www.muenster.org/spurenfinden/vor-die-tuer-gelegt/ereignisse/gedenkblaetter-muensterland-9-12-11.html

http://www.muenster.org/spurenfinden/vor-die-tuer-gelegt/ereignisse/vorstellung-gedenkblaetter-deportation-6-12-12-.html