
Kurz notiert
News
Mit Fantasie und Farbe ...
"Mit Fantasie und Farbe Grenzen überwinden" - so lautet ... » weiter lesen
Das große AFR-EUROPA-P ...
Unser Preisausschreiben soll dazu beitragen, Europa stä ... » weiter lesen
Termine
Nachschreibtermin ZP 1 ...
24.05.2012
Pfingstmontag
28.05.2012
Mahnendes Erinnern
Es ist schon Tradition geworden, dass Schülerinnen unserer Schule am 9. November das Gedenken an den Novemberpogrom von 1938 mitgestalten. Am 9.11.2008 jährte sich die im Volksmund immer noch verharmlosend genannte "Reichskristallnacht" zum 70. Mal.
Weit über 100 Menschen waren zum Standort der ehemaligen Synagoge an der Marktstraße gekommen, um die einführenden Worte von Ingeborg Höting, der Leiterin des VHS-Arbeitskreises "Ahauser Geschichte 1933 bis 1945", zu hören, unter dessen Federführung seit vielen Jahren das Pogrom-Gedenken steht. Zuvor hatten alle Ahauser Kirchen 10 Minuten lang zur Mahnung an die Holocaust-Toten die Glocken geläutet und die niederländische Sängerin Lucette van den Berg das Trauerlied "Kaddish" gesungen. Bürgermeister Büter wies darauf hin, dass das mahnende Gedenken in Ahaus seit vielen Jahren gepflegt werde und sich besonders immer wieder Schüler dabei engagierten, die jüdischen Familien nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Anschließend lasen Anja Farwick, Laura Kühlkamp, Nina Wiemann (Kl. 9a), Jana Gesing (Kl. 9b), Annalena Reinker, Angelika Graf (Kl. 10d) und Nicole Gonczewski (Kl. 10a) aus den "Briefen an Thea" vor, einer AFR-Dokumentation über die jüdischen Familien Schlösser aus Ahaus.
Im Detail wurden die Brandschatzung der Ahauser Synagoge sowie die Demütigung und Misshandlung der Schlössers und anderer Juden aus Ahaus während des Pogroms den Zuhörern vorgestellt.
Am Mahnmal für die ermordeten Ahauser Juden auf dem Sümmermann-Platz trugen die sieben AFR-Schülerinnen Texte aus der AFR-Dokumentation "Auf der Suche nach Henny de Jong" vor, die mit bewegenden Worten die letzten drei Tage in Hennys Leben im September 1943 bei der Deportation, der Selektion und der Ermordung in der Gaskammer in Auschwitz schilderten.
"Schmerz, Trauer, Wut, aber auch ein unbändiger Wille, das Vergangene greifbar und begreifbar werden zu lassen, lagen in ihren Worten" - so die Münsterland-Zeitung vom 10.11.2008 über die Veranstaltung. "Henny, für uns lebst du immer noch!" - dieser Ausruf der Schülerinnen stand am Ende dieser Lesung am Mahnmal, vor dem sie zuvor Bilder von Ahauser Juden aufgestellt und Kerzen entzündet hatten. Anschließend verlasen die Mädchen die Namen und Schicksale aller 14 ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen aus Ahaus:
Evelyne Else Löwenstein (bei ihrer Ermordung 2 Jahre alt), Juliane Katz(7 Jahre), Alfred Katz (8 Jahre), Beate Jakobs (8 Jahre), Bernhard Josef Schlösser (8 Jahre), Ernst Josef Gottschalk (10 Jahre), Leo Schlösser (11 Jahre), Max Jakobs (13 Jahre), Friedel Schlösser (12 Jahre), Josef Jakobs (14 Jahre), Henny de Jong (16 Jahre), Ernst Cohen (17 Jahre), Alfred Schlösser (17 Jahre), Herbert de Jong (20 Jahre). Herr Löhring stellte am Ende der Verlesung fest: "Wäre Herbert de Jong noch am Leben, hätten wir ihm genau heute zum 85. Geburtstag gratulieren können. Und seine Schwester Henny wäre übermorgen 82 Jahre alt geworden." Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung am Mahnmal lasen Frauen des Ökumene-Kreises der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien Texte der evangelischen Theologin Dorothee Sölle vor. Mit deren Worten "Auschwitz war nicht Gottes Wille, es ist im Namen des deutschen Volkes geschehen"
betonten sie zum Schluss noch einmal, was Ingeborg Höting schon zu Beginn der Veranstaltung für das Pogrom vor 70 Jahren feststellte: Die Täter kamen nicht nur aus den Kampftrupps der SA und NSDAP, sondern auch aus der ganz "normalen" Bevölkerung.
Viele Teilnehmer der Gedenkveranstaltung machten sich dann zusammen auf den Weg zum Dorothee-Sölle-Haus, um dem Konzert von Lucette van den Berg zu lauschen. Auf dem Weg dorthin wurde an den Stolpersteinen von Josef Frankenhaus und der beiden Familien Schlösser Halt gemacht, worüber Ingeborg Höting und Hermann Löhring nähere Informationen gaben. Wer sich anschließend die berührenden Lieder von Lucette van den Berg über Leid, Liebe und Träume in jiddischer Sprache entgehen ließ, hatte viel verpasst. Die sympathische Sängerin, die das Publikum mit ihrer Stimme in ihren Bann zog, wurde zum Schluss mit großem Applaus und nicht ohne Zugabe verabschiedet.
