Kurz notiert



News


Mit Fantasie und Farbe ...
"Mit Fantasie und Farbe Grenzen überwinden" - so lautet ... » weiter lesen

Das große AFR-EUROPA-P ...
Unser Preisausschreiben soll dazu beitragen, Europa stä ... » weiter lesen

Termine


Nachschreibtermin ZP 1 ...
24.05.2012

Pfingstmontag
28.05.2012

Archiv

Bei der Befreiung wog sie noch 32 Kilo -

Mucksmäuschenstill ist es in der Aula der Anne-Frank-Realschule, als knapp 50 Schüler und ihre Lehrer den Ausführungen der 80-jährigen Hella Wertheim aus Gildehaus bei Bentheim über ihr Leben und Schicksal während und nach der Nazizeit lauschen.


Die rüstige alte Frau war vom Niederländisch-Kurs Kl. 10 und der Stolperstein-AG der Schule auf Anregung der mit ihr befreundeten Lehrerin Petra Diekmann eingeladen worden. 1928 in Insterburg (Ostpreußen) geboren, wurde Hella Wertheim in drei Konzentrationslager (Theresienstadt, Auschwitz und Lenzing/Österreich) deportiert und ist nach eigenen Worten "durch viele Zufälle dem Tod entronnen". Sie musste miterleben, wie ihr Vater in Theresienstadt und ihre Mutter in Auschwitz ermordet wurden. "Ich habe Dr. Mengele in Auschwitz ins Auge geschaut, als er kaltblütig meine Mutter nach links in die Gaskammer schickte", berichtet sie den Schülern. "Das Bild meiner Mutter hängt heute noch über meinem Bett; sie ist die erste, die ich morgens erblicke." Und sie ergänzt, sie habe heute noch Schuldgefühle, dass sie überlebt habe. Als sie im Mai 1945 befreit wurde, wog sie noch 64 Pfund. Ohne Kartoffelschalen und Kleeblüten, die sie neben der kleinen zugeteilten Brotration heimlich aß, aber auch ohne neu gewonnene Freundinnen im KZ, z.B. Ellen aus Amsterdam, der sie noch heute eng verbunden ist, hätte sie nicht überlebt, erzählt sie. "Im Lager verlor man jedes Zeitgefühl", erklärt sie und zeigt den Schülern ihre gestreifte Häftlingsjacke mit der Nummer 827, die sie zusammen mit einer rostigen Blechschüssel aus dem Arbeitslager Lenzing an ihre KZ-Haft erinnert. Die Zeit der Erholung nach der Haft auf der Insel Reichenau bezeichnet Hella Wertheim als "die schönsten Tage meines Lebens". Der Kontrast von der Unfreiheit zur Freiheit sei überwältigend gewesen. Kurze Zeit verbrachte sie dann in niederländischen Flüchtlingslagern und zog schließlich mit jüdischen Überlebenden aus der Bentheimer Gegend in deren Heimat, wo sie ihren Mann Heinz Wertheim kennen lernte und mit ihm in Gildehaus ein Textilgeschäft eröffnete, das bis zu seinem Tod 1987 betrieben wurde. Seit mehreren Jahren spricht sie auch vor Schulklassen über ihr Leben. "Dem aufkommenden Rechtsextremismus kann man nur begegnen mit dem Wissen um das Geschehene", so die sprachlich gewandt formulierende Frau, "und dazu kann ich noch etwas beitragen."



Zurück

AFR logo