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"Uroma, wer waren die Gottschalks?"

"Uroma, wer waren die Gottschalks?" So lautet der Titel einer Dokumentation von Heeker, Nienborger und Ahauser Schülerinnen der Anne-Frank-Realschule Ahaus über die letzten jüdischen Bürger in Heek-Nienborg, die im letzten Schuljahr erstellt wurde. Mit dieser Frage begann auch der Vortrag von Alisa Früchting, Laura Helmich, Lea Münstermann, Eva Schaten und ihrem früheren Lehrer am Freitagabend (12.12.) in der Villa ten Hompel in Münster.


Schon zum dritten Mal war eine Schülergruppe der Anne-Frank-Realschule zur Vorstellung eines Gedenkblatts anlässlich der Deportation der Münsterländer Juden am 13.12.1941 in die überregionale Gedenk- und Forschungsstätte in Münster eingeladen worden. Nach Vorträgen anderer Gruppen über Holocaust-Mordopfer aus Münster, Lüdinghausen und Drensteinfurt erinnerten die Schülerinnen an den Nienborger Viehhändler Siegmund Gottschalk und seine Frau Rosa, denen 1937 ihr Haus in der Hauptstraße zwangsversteigert wurde, woraufhin sie bei der Familie Bruns Unterschlupf fanden. In der Pogromnacht im November 1938 wurde das Haus von Bruns beschädigt, Siegmund Gottschalk gedemütigt und inhaftiert, schließlich deportierte man beide im Dezember 1941 ins Ghetto nach Riga und ermordete sie dort. Auch stellten die Schüler das Schicksal von Joseph Gottschalk und seiner Frau Meta vor. Während der in mehreren Nienborger Vereinen aktive Joseph Gottschalk bereits 1932 verstarb, wurde Meta 1944 in Auschwitz vergast. "In Auschwitz lagern heute noch 7,7 Tonnen menschliches Haar in Tüten verpackt. Sich vorzustellen, dass Metas Haare ....." Dieser unvollendete Satz und andere Worte der Vortragenden hinterließen betroffenes Schweigen und Schlucken bei den Zuhörern. Beeindruckend war auch die Vorstellung von Artikeln aus der damaligen "Ahauser Kreiszeitung" vom Dezember 1941: Von heldenhaften Taten an der Ostfront, großartigen Leistungen der Reichsbahn und dem Zauber der Vorweihnachtszeit  die Rede - kein Wort über die gleichzeitig mit Hilfe der Reichsbahn stattfindenden Deportationen aus dem Münsterland.

Die ehemaligen Anne-Frank-Realschüler und ihr Lehrer erhielten im Gespräch nach der Veranstaltung von einer Nachfahrin ermordeter Juden aus Münster die dringende Aufforderung mit auf den Weg, sich um eine offizielle Anerkennung und Würdigung der Helfer der Familie Gottschalk in Heek-Nienborg zu kümmern und eine Stolpersteinlegung in Heek-Nienborg anzuregen.
Die Dokumentation "Uroma, wer waren die Gottschalks?" ist erhältlich bei Hermann Löhring, Vor Pastors Busch 15, 48683 Ahaus-Wüllen, Tel. 02561/8871.



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