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Nur die Amsel hörte zu

Anja Tuckermann las in der Anne-Frank-Realschule über den Sinti-Jungen Mano Eine Stunde still und interessiert zuhören - den Schülern von sechs Klassen des achten Schuljahrs fiel das am Donnerstagmorgen in der Aula der Anne-Frank-Realschule Ahaus nicht schwer. Denn was die Berliner Jugendbuchautorin Anja Tuckermann aus ihrem Roman "Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war" vorlas, ließ die Schüler aufhorchen.


Sie lauschten den ruhigen und einfühlsamen Worten der Schriftstellerin, die einen durch seine Erlebnisse im KZ verstörten Sinti-Jungen vorstellte, der einsam und allein im Nachkriegsdeutschland umherirrte und von französischen Kriegsgefangenen mit nach Frankreich genommen wurde. Dort durfte niemand wissen, dass er Deutscher war, und so wurde Mano unter fremdem Namen in einer französischen Pflegefamilie groß und fand erst spät wieder zurück in seine bayrische Heimat. Anja Tuckermann berichtete den Schülern auch, wie sie den heute 78-jährigen Mano (Höllenrainer) kennen lernte und wie befreiend es für ihn war, ihr seine Lebensgeschichte zu erzählen, über die er jahrzehntelang schwieg. Besonders eindrücklich waren einige Passagen aus dem Buch, z.B. wie der kleine Mano und seine Pflegemutter versuchten, die eintätowierte KZ-Nummer auf dem Arm abzuwaschen, wie er noch lange nach den Hungerjahren im KZ jegliches Essen gierig und schnell verzehrte und es mit keinem anderen teilen konnte oder wie er zunächst keinem Menschen trauen und nur einer Amsel seine Erlebnisse im Lager schildern konnte. Dass Mano seine Familie erst nach Jahren in München wiederfand und er selber eine eigene Familie gründete, erfuhren die Schüler erst zum Schluss der Lesung. Der Lesevortrag berührte sie so tief, dass viele auch nach Ende der Veranstaltung die Autorin mit Fragen zu Mano belagerten, zu dem diese weiterhin engen Kontakt pflegt.



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