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Jüdische Familien in Ahaus - fast 600 Anne-Frank-Schüler auf Spurensuche
Fast zwei Drittel der Schüler aus 20 Klassen der Jahrgangsstufen 7-10 der Anne-Frank-Realschule Ahaus haben die gerade beendete Ausstellung in der Villa van Delden zu jüdischen Familien in Ahaus besucht.
In Führungen des Geschichtslehrers Hermann Löhring erfuhren sie u.a., dass Erich Gottschalk in der Pogromnacht 1938 zusammengeschlagen wurde, aus Ahaus floh, seine Mutter zurücklassen musste, die später in einem KZ ermordet wurde, und trotzdem aus Heimweh wieder mit seiner Familie nach Ahaus zog, wo er wie vor dem Krieg sich als Viehhändler niederließ. Neugierig betrachteten die Schüler auch die vielen Pass-, Schul- und Kinderschützenfest-Fotos, die es noch heute von den beiden Familien de Jong gibt. Eine alte Frackjacke, viele Fotos und Großanzeigen sowie aufbewahrte Kleiderbügel zeigten den Schülern, wie bekannt das Textilkaufhaus von Hugo Löwenstein in Ahaus und Umgebung war. Mit Hilfe von Arbeitsbögen befassten sie sich u.a. mit den Lebenswegen der ehemaligen Canisius-Schülerinnen Thea Schlösser und Marga Cohen, die Kindertransporte, Deportationen, Selektionen und Todesmärsche überlebten und heute noch als alte Frauen in den USA leben. Fassungslos
standen viele vor der Vitrine mit der gestreiften Häftlingsjacke, dem Blechnapf und dem abgenutzten Holzlöffel, die die KZ-Überlebende Hella Wertheim für die Ausstellung zur Verfügung stellte. Die Inschrift des überdimensional dargestellten Stolpersteins für Joseph Frankenhaus zeigte den Schülern, dass er als Jude und geistig Behinderter ein durch die Nazis doppelt Verfolgter war, von dem leider kein Foto existiert. Die Hörszenen von Klaus Uhlenbrock, die aus der Kinderperspektive der jüdischen Mädchen Marga und Henny de Jong Ereignisse und Gefühle im Ahaus der NS-Zeit widerspiegeln und per MP-3-Player in der Ausstellung zu hören waren, beeindruckten die Schüler sehr. Zum Abschluss einer nachdenklich machenden Doppelstunde in der Villa van Delden bekamen sie den Stolperstein-Film von Wolfgang Witthake und Günther Löffler zu sehen - die einzige Filmdokumentation, die es über eine Stolpersteinlegung in Ahaus gibt. Dass manche Schüler die Ausstellung am Wochenende erneut besuchten - diesmal mit Eltern oder Großeltern -, zeigt, welch tiefe Spuren der Erinnerung sie hinterlassen hat. Nicht zuletzt künden davon auch Fotos und Texte von jüdischen Personen an vielen Klassenraumwänden der Anne-Frank-Realschule - Ergebnisse von Auswertungen und Nachbesprechungen des Ausstellungsbesuchs.
